PADHI FRIEBERGER
Der von den amerikanischen Besatzern herausgegebene „Kurier“ berichtet vom Todestag des amerikanischen Präsidenten Roosevelt, von Reparationsleistungen, und von ersten Zitronenlieferungen für Wien. Padhi Frieberger beginnt schon unmittelbar nach dem Krieg, Materialassemblagen und Gerümpelskulpturen zusammenzustellen. Das reale, vorgefundene Material wird für den „Kunstprotagonisten“1 ausschließlich im Zusammenhang mit seinem bizarren Lebensritual zum Werk. Frieberger betätigt sich als Maler, radikaler Musiker und Dichter und setzt sich sehr früh und intensiv für die Öko- und Friedensbewegung ein. Während der 50er Jahre gehört er dem Kreis der Wiener Gruppe an, später ist er mit Hundertwasser und Konrad Bayer enger befreundet. Aber noch vor diesen Bekanntschaften entsteht das Relief, das Zeitungsausschnitte des 11. April 1946 zu einer Collage zusammenfügt. Optische Ähnlichkeiten zu den Merzarbeiten Schwitters‘ sind zu erkennen. Auch in Friebergers späteren Arbeiten ist vieles prozesshaft, zufällig, skurril und surreal. Sprach- und Objektrelikte werden dadaistisch kombiniert: aufgerissen, kunterbunt bemalt, verformt, verstaubt, zerlumpt, mit Mullbinden und Leimen befestigt. Antibürgerliche Persiflage, anarchische Gesten und eine unbeugsame Moral sind die Kennzeichen dieser bislang kaum beachteten Kunst, deren Vorbildhaftigkeit für den Wiener Aktionismus ebenso unbestritten sein dürfte wie die Vorwegnahme vieler Aspekte der informellen Plastik, auch der Arbeiten von Franz West.

1 Im Gespräch mit Padhi Frieberger (März 2001).
Padhi Frieberger
Objekt, um 1960
Holz, Mullbinden, Papier, Kunststoff, teilweise bemalt
45 x 42 x 55 cm
Erich Joham, Wien
Lebenslauf
1929 in Wien geboren, lebt in Wien


Einzelausstellungen

1981 Galerie Hummel, Wien
1997 Galerie Hummel, Wien


Ausstellungsbeteiligungen

1989 Österreichische Fotografie seit 1945, Rupertinum, Salzburg
1992 Identität : Differenz, Neue Galerie am LM Joanneum, Graz
1997 Sammler/Künstler, Kunsthaus Mürzzuschlag
2001 Objekte. Skulptur in Österreich nach ’45, Atelier Augarten, Wien